Zur Ermittlung der Anforderungen interviewt der Systemanalytiker ausgehend von den Projektzielen verschiedene potentielle Anwender und Verantwortliche, um einen fundierten Einblick in die Aufgaben des Systems zu erlangen und zu einer ersten Version des Anforderungsdokuments zu kommen.
Die Anforderungsermittlung umfasst folgende Arbeitsschritte:
Ansprechpartner ermitteln
Problemfeld abgrenzen
Umfeld beschreiben
Akteure identifizieren und beschreiben
Anwendungsfälle identifizieren und beschreiben
Anforderungen klären
Anforderungen erfassen
Prioritäten setzen.
Ansprechpartner ermitteln Zur Unterstützung der Definition von Anforderungen sollte man mit der Ermittlung der Ansprechpartner und der Sammlung von Materialien und vorhandenen Informationsquellen beginnen. Bei den Ansprechpartnern sollte es sich um erfahrene Anwender, Anwendungsbereichsexperten und verantwortliche Führungskräfte handeln, welche Entscheidungsbefugnisse bei der Abstimmung der Anforderungen und Anwendungsfälle haben. Zu den Materialien gehören Formulare, Vordrucke, Korrespondenzen, Arbeitsplatzbeschreibungen usw.
Problemfeld abgrenzen Es wird bestimmt, was nicht zu der Aufgabenstellung gehört. Außerdem müssen die Schnittstellen zur Außenwelt definiert werden. Hierbei bezieht sich der Systemanalytiker auf die Projektziele und Projektabgrenzung. Dadurch entstehen die Aufgabenbeschreibung und das Kontextdiagramm.
Umfeld beschreiben Die Umgebung, in der das zu entwickelnde System einmal laufen soll, wird in diesem Schritt dargestellt. Dadurch wird die Erstellung eines Infrastrukturmodells vorbereitet, das die Hardware-, Software-, Netzwerk- sowie Middlewaretechnologie und -architektur beschreibt.
Akteure identifizieren und beschreiben In diesem Schritt wird definiert, welche Anwender welche Aufgabenstellung und Kompetenzen in dem Problemfeld haben. Auf Fragen des Systemanalytikers schildern die Anwender ihre Tätigkeiten und ihr Vorgehen. Dabei ist darzustellen, welche Ziele ein Akteur mit dem zu entwickelnden System erreichen will. Jeder Akteur wird textuell erfasst und beschrieben. Es entstehen Akteurdiagramm, Kompetenzschema und Berechtigungsschema als Ergebnis.
Anwendungsfälle identifizieren und beschreiben Eine namentliche Auflistung der Anwendungsfälle liefert eine erste Orientierung über die Anforderungen. Bei der Identifikation der Anwendungsfälle geht man von den gefundenen Akteuren aus. Aus jedem zuvor erkannten Ziel eines Akteurs sollte ein Anwendungsfall abgeleitet werden.
Sie werden stichwortig und komprimiert festgehalten. Es wird als erstes das Hauptszenario und anschließend die Variationen des Hauptszenarios, Ausnahmen oder Fehlerbedingungen beschrieben und modelliert (Gliederung einer Anwendungsfallbeschreibung).
Anforderungen klären In Gesprächen mit den Fachabteilungen werden unter Zuhilfenahme der Anwendungsfälle die generellen funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen und Zielvorstellungen der Betroffenen und Beteiligten ermittelt und in Gesprächsprotokollen erfasst. Funktionale Anforderungen beschreiben das Verhalten und nicht-funktionale Anforderungen die Eigenschaften des Systems.
Anforderungen erfassen Alle Anforderungen sind einzeln mit einem Schlüssel und mit einer Nummer zu kennzeichnen. Üblicherweise erfolgt diese Kennzeichnung in Schrägstrichen. Der Schlüssel besteht aus wenigen, meist zwei bis drei Buchstaben und identifiziert den Abschnitt oder das Kapitel, in dem die Anforderung steht. Die Nummerierung erfolgt sinnvollerweise in 10er-Schritten.
Prioritäten setzen Es werden die Prioritäten der Anforderungen vergeben um zu klären, welche Aufgaben oder Probleme am dringendsten zu lösen sind und welche später gelöst werden können (Prioritäten einer Anforderung).