Unternehmen sind im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit mit unterschiedlichsten Risiken konfrontiert. Diese reichen von kurzfristig und unerwartet eintretenden Risiken wie Bränden über schleichend eintretende wie mangelnde Anpassung an eine veränderte Marktlage bis hin zu sich länger abzeichnenden wie etwa der Euro-Umstellung. Von besonderem Interesse für das Unternehmen sind die Risiken, die das Erreichen der Ziele und den Erfolg der Strategien des Unternehmen beeinträchtigen und somit seinen Erfolg oder Bestand gefährden.
Risikomanagement ist der systematische Umgang mit diesen Risiken. Das Ziel der Entwicklung von systematischem Risikomanagement besteht darin, das Unternehmen gefährdende Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, mit denen der Bestand und der Erfolg des Unternehmens gesichert werden kann. Die Verpflichtung zu Risikomanagement ist für größere, speziell für börsennotierte Unternehmen "Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich" (KonTraG) vorgeschrieben, indem festgeschrieben wird, dass „der Vorstand geeignete Maßnahmen zu treffen, insbesondere ein Überwachungssystem einzurichten hat, damit den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen früh erkannt werden“ (§ 91 Abs. 2 AktG).
Die Gesamtheit der systematischen Aktivitäten im Umgang mit Risiken im Unternehmen bildet den Risikomanagement-Prozess. Dieser beinhaltet die Schritte
Risikoidentifikation, die das strukturierte, detaillierte und vollständige Erfassen der Risiken beinhaltet
Risikoanalyse, die die identifizierten Risiken hinsichtlich ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und ihres Schadensausmaßes klassifiziert
Risikosteuerung, bestehend aus Maßnahmen, um die Eintrittswahrscheinlichkeit und/oder das zu erwartende Schadensausmaß eines Risikos zu mindern
Risikoüberwachung, die die ständige Kontrolle der Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen und die Beobachtung von Risikoveränderungen beinhaltet.
Als zusätzlichen fünften Schritt kann man noch die Überwachung des Risikomanagement-Systems selbst verstehen, der die Angemessenheit des Risikomanagement-Prozesses und der Risikomanagement-Organisation überprüft.
Die Risikomanagement-Organisation ist die organisatorische Einbettung des Risikomanagements in das Unternehmen. Es beinhaltet
die „risikopolitischen Grundsätze“, von der Unternehmensleitung vorzugebende Verhaltensmaßregeln für alle Mitarbeiter für den Umgang mit Risiken
die Risikomanagement-Funktion, eine zentrale Stelle, die für die grundsätzliche Konzeption und Umsetzung des Risikomanagements im Unternehmen verantwortlich ist
das Risikomanagement in den Unternehmensbereichen und –prozessen, d. h. das operative Risikomanagement an Ort und Stelle und
die Interne Revision als unabhängige Kontrollinstanz für Risikomanagement-Prozess und –Organisation.
Die enge Verknüpfung von Chancen und Risiken im Rahmen der Unternehmensstrategie legt es nahe, Risikomanagement und strategische Unternehmenssteuerung zu integrieren. Das auf Unternehmenskennzahlen beruhende Steuerungssystem Balanced Scorecard (BSC) unterstützt diese Verknüpfung, indem es die Wirkungszusammenhänge zwischen Chancen und Risiken verdeutlicht und so als Frühwarnsystem für Unternehmensrisiken fungieren kann.