Kontext Die zentralen Aufgaben des Bundesamtes für den Zivildienst (BAZ) sind die Entscheidung über eine Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer, die Anerkennung und Betreuung der Dienststellen sowie die Heranziehung und Betreuung der Zivildienstpflichtigen.
Im Projekt „Migration der Altsysteme“ soll die IT des BAZ auf einen einheitlichen, zeitgemäßen Stand gebracht werden. In der gerade laufenden ersten Stufe bleiben die bestehenden Anwendungen in ihrem bisherigen fachlichen Umfang erhalten, während die zu Grunde liegenden Datenbanken modernisiert werden. Für die großenteils veraltete, heterogene Anwendungslandschaft soll eine neue Basisarchitektur mit modernen softwaretechnischen Konzepten und einem einheitlichen Bedienkonzept gefunden werden. Dazu wird eine Anwendung prototypisch umgestellt. Neben den Änderungen in der IT wird auch eine Modernisierung der Geschäftsprozesse angestrebt.
Herausforderungen Die anstehenden Aufgaben sollen durch die externen Partner EDS Deutschland GmbH und C1 WPS GmbH in enger Zusammenarbeit mit der behördeneigenen IT angegangen und gelöst werden. Ziel ist es zum einen, eine moderne IT-Infrastruktur einzuführen, die auf zukunftsgerichteten softwaretechnischen Konzepten beruht. Zum anderen sind auch die Behördenmitarbeiter soweit zu beteiligen und weiterzubilden, dass diese die Anwendungen nach Abschluss der Arbeiten selbstständig weiterbetreuen, warten und ggf. durch kleine Änderungen an aktuelle Gesetzgebung o.ä. anpassen können.
Bedingt durch das Alter der bestehenden Datenbanken und der Anwendungen und mehrfacher Änderungen und ergänzender Neuentwicklungen in den letzten Jahren sind viele Abläufe, Algorithmen und Prüfungen nicht ausreichend dokumentiert und nur durch Analyse der bestehenden Strukturen und Quelltexte zu erhalten. Die angewandten Geschäftsprozesse sind teilweise ebenso unvollständig und wenig verständlich dokumentiert.
Das gewünschte Modell der ganzheitlichen Sachbearbeitung stellt hohe Anforderungen an die zu Grunde liegende Softwarearchitektur, das Design der Anwendungen und die Bedienbarkeit. Die Lösungen dürfen nicht von außen vorgegeben werden sondern müssen unter Berücksichtigung der Interessen mehrerer Stakeholder aus verschiedenen Abteilungen entwickelt und eingeführt werden.
Ansatz Die Vielzahl der Aufgaben mit ihren Abhängigkeiten erfordert ein agiles Vorgehen, das nicht in starre Phasen unterteilt werden kann sondern eine flexible Anpassung an bestehende Gegebenheiten und neue Erkenntnisse erlaubt. Analyse- und Modellierungstätigkeiten werden verzahnt mit Software-Architekturdesign, Software-Entwicklung und Schulung der Behördenmitarbeiter. Zum Einsatz kommen kundenzentrierte, agile und evolutionäre Techniken sowie moderne Software-Werkzeuge für die einzelnen Aktivitäten.
Abbildung: Zeitliche Abfolge der Aktivitäten zeigt die zeitliche Anordnung und enge Verzahnung der Aktivitäten.
Zum jetzigen Zeitpunkt, nach Abschluss des Prototyping, lässt sich ein positives Zwischenfazit ziehen. Die wichtigsten Geschäftsprozesse sind aufgenommen und verifiziert worden. Die neue Software-Basisarchitektur steht in ihren Grundzügen fest und konnte durch den Prototypen einer neuen Anwendung verifiziert werden. Das während der Entwicklung verwendete, auf XP aufbauende, agile Vorgehen wurde in der Behörde schnell akzeptiert, insbesondere durch seine Transparenz. Es hat wesentlich zur Erreichung der Ziele beigetragen.