Die Sicherung der Nutzungsqualität eines interaktiven Produkts setzt die Durchführung iterativer benutzerorientierter Engineering-Maßnahmen in allen Entwicklungsphasen voraus: Bei der Erhebung und Analyse des Nutzungskontexts angefangen, bis hin zur Finalisierung des Produktdesigns im Rahmen von Evaluations- untersuchungen (Abbildung1). Nur ein auf den Benutzer und seine Arbeitsprozesse ausgerichteter Entwicklungsprozess kann nützliche und zufrieden stellende Produkte hervorbringen.
Abbildung 1: Entwicklungsphasen im SE-Prozess
Valide Nutzungsanforderungen sind die Voraussetzungen für die Gestaltung eines aus Benutzersicht nützlichen und zufrieden stellenden Werkzeugs. Um die Nutzungs- anforderungen an ein System zu identifizieren können Interviews mit künftigen Benutzern durchgeführt werden. Aus den Interviews erhalten die Entwickler Aufschluss über den Arbeitskontext der Benutzer. In dieser Phase hilft die zusätzliche Durchführung von Fokusgruppen (Focus Groups) und Anwendung von Kartenabfragemethoden um nicht nur die Arbeit auf einer groben Ebene, sondern auch die mentalen Modelle und Nutzungsvorstellungen der künftigen Benutzer zu erfassen.
Die Entwicklung von Nutzungsanforderungen ist der Grundstein für das Design eines auf die Benutzerbelange ausgerichteten Prototypen und für dessen Evaluation.
Das Design eines ersten Prototypen sollte als „Bildgebung“ der zuvor entwickelten Nutzungsanforderungen verstanden werden. Hierbei müssen sich Designer zwei Gestaltungsherausforderungen stellen:
1. Das Interaktionsdesign muss entsprechend den Aufgaben- und Ablaufprozessen gestaltet sein.
2. Das Informationsdesign muss selbstbeschreibungsfähig und handlungsleitend aufbereitet werden.
Ob Nutzungsanforderungen letztendlich verstanden wurden und ob das Informationsdesign angemessen gestaltet ist, findet man erst heraus, wenn dies methodisch im Hinblick auf seine software-ergonomische Qualität evaluiert wird. Hierzu steht eine Vielzahl von Methoden zur Verfügung.
Die heuristische Evaluation von Jacob Nielsen bietet anhand von ergonomischen Güteprinzipien die Möglichkeit ein System aus Expertensicht zu beurteilen. Da diese Vorgehensweise nicht den Einbezug von Benutzern voraussetzt, kann diese Methode als sehr effizient im Hinblick auf Kosten und Zeit eingeschätzt werden. Allerdings sollte der Evaluator im besten Fall ein erfahrener Usability-Experte sein, um zu qualitativ guten Analyseergebnisse zu gelangen.
Leistungsmessungen (Performance-Messung) sind dann besonders anzuraten, wenn zwei oder mehrere Systeme hinsichtlich ihrer Effizienz verglichen werden sollen. Man bezeichnet Leistungsmessungen auch als quantitative Verfahren.
Will man allerdings genau wissen, was den Sand im Getriebe der Softwarenutzung ausmacht und was man tun muss, um das Produkt zu verbessern, sind qualitative Ansätze die Methoden der Wahl. Hierzu zählt zum Beispiel die Methode des lauten Denkens (Thinking-Aloud-Methode). Als zusätzliche Datenquellen können Logfile Records ausgewertet werden und mittels Fragebögen die Einstellung der Benutzer gegenüber der Nutzung des Produkts erhoben werden.