Ziel adaptiver Systeme ist die Adaption des Systemverhaltens an einen Benutzer und eine Situation aufgrund von Schlussfolgerungen durch das System. Dies wird erreicht und realisiert durch drei logisch und zeitlich unterscheidbare Funktionen.
Afferenz An erster Stelle steht die Registrierung des Benutzerverhaltens, die man in Bezug auf Menschen auch als Beobachtung bezeichnen könnte. Hier erfolgt
die Ermittlung von regelmäßigen Präferenzen,
die Erfassung von Informationen, die der Benutzer abgefragt hat und von denen das System annehmen kann, dass der Benutzer sie nun kennt, um daraus auf sein Wissen bzw. seinen Expertisegrad zu schließen,
die Ermittlung von Aufgaben, die der Benutzer bearbeitet, um evtl. die nächste Teilaufgabe vorzubereiten.
Diese Registrierung erfolgt logisch und zeitlich an erster Stelle des Adaptionsprozesses; sie ist allerdings schon in der Anlage auf die zweite Komponente ausgerichtet und implizit von ihr abhängig.
Inferenz Die zweite Funktion beinhaltet die Auswertung der Registrierung auf der Basis von Modellannahmen über Benutzeranforderungen, Heuristiken oder Ontologien der Anwendungsdomäne. Hier werden Schlüsse aus den registrierten Daten der Interaktion gezogen, um die geeignetsten Adaptionen zu identifizieren.
Efferenz Die dritte Funktion beinhaltet die Umsetzung der Adaption, die auf der zweiten Stufe entschieden worden ist, in Form von tatsächlichen Systemveränderungen als adaptierte Präsentationsweise oder als adaptierte Interaktion.
Wir drücken diese drei Funktionen in der Begriffstriade Afferenz – Inferenz – Efferenz aus. Wie in einem Nervensystem werden bei der Afferenz alle eingehenden Ereignisse erfasst und der Zentrale gemeldet. In der zentralen Auswertungsstelle werden die eingehenden Ereignismeldungen geordnet, ausgewertet und in Entscheidungen über Adaptionen überführt. Das Ergebnis besteht schließlich in Adaptionsmaßnahmen, die durch entsprechende Stellglieder ausgeführt werden.
Die prozessuale Abhängigkeit der drei Funktionen ist im wesentlichen sequentiell. Die afferente Funktion stellt das Beobachtungsmaterial für die zentralen Analysen und Schlussfolgerungen der inferenten Funktion bereit, deren Ergebnisse werden in der efferenten Funktion umgesetzt. Der Benutzer bemerkt lediglich die Effekte der letzten Funktion, evtl. ist er in einen Monitoring-Dialog einbezogen. Im Detail bestehen jedoch wechselseitige Abhängigkeiten zwischen den drei Funktionen. Die afferente Funktion ermittelt und übermittelt lediglich Indikatoren, welche von den Inferenz- algorithmen benötigen werden. Wie im Erkenntnisprozess braucht man für die Beobachtung bereits Beobachtungs- kategorien, sonst ist die Beobachtung blind. Die Adaptions- algorithmen wiederum beinhalten nur Auswertungen und Schlussfolgerungen, für die in der efferenten Funktion Adaptionsmechanismen möglich sind. In diesem Sinn verläuft ein rückwärtiger Abhängigkeitsstrang von der efferenten über die inferente zur afferenten Funktion, um die Sammlung und Übermittlung von Adaptionsindikatoren und die Analyse und Schlussfolgerung von Adaptionsmaßnahmen auf das tatsächlich umsetzbare Spektrum von Adaptionen auszurichten und damit ökonomisch sparsam vorzugehen.
Nachfolgend Links zu den Detailbeschreibungen der drei Funktionen: