Berlin-Brandenburger Software-Forum: „Projektabnahme – lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende?“
Am 05.06.2003 haben die drei ViSEK-Partner, Fraunhofer FIRST, Fraunhofer ISST und BTU Cottbus, zur zweiten Veranstaltung des Berlin-Brandenburger Software-Forum zum Thema „Projektabnahme – lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende?“ geladen.
Die Motivation der Teilnehmer für den Besuch der ViSEK-Veranstaltung war laut der durchgeführten Umfrage in allen Fällen die „Relevanz für die praktische Arbeit“ sowie „Neugierde“.
Der Ablauf der Veranstaltung beinhaltete im ersten Block Vorträge von Referenten des Fraunhofer ISST. Themen waren dabei die „methodische Vorbereitung und Durchführung der Projektabnahme“, die „vertragliche Absicherung der Projektabnahme“ und die „Anforderungen der Kunden zur Projektabnahme“. Im zweiten Block der Veranstaltung folgte eine fachliche Diskussion über Projektabnahme mit konkreten Fragestellungen der Veranstaltungsteilnehmer.
In der Diskussionsrunde wurden überwiegend praxisorientierte Fragen zur Projektabnahme gestellt, die zum Teil von sehr unternehmensspezifischen Situationen geprägt waren:
Stark diskutiert wurde das Thema nach dem Vorgehen bei Änderungen in den Anforderungskriterien während des Projektverlaufs. Als Lösung wurde die sukzessive Protokollierung der Änderungen empfohlen. Dabei ist vor allem eine einheitliche Kennzeichnung und Dokumentation der Anforderungen Voraussetzung. Dies erhöht auch aus rechtlicher Hinsicht die Beweiskraftbei eventuellen Streitfällen.
Eher im allgemeinen Rahmen wurde diskutiert, wie es um die Entscheidung Projektabbruch versus Projektabschluss steht. Wie erkennt man Projekte, die besser abgebrochen werden sollen? Wann macht der Abbruch eines Projektes Sinn, wann soll-ten eher Dritte zur Rettung eines gefährdeten Projektes ins Boot geholt werden? Hierfür konnte keine einheitliche Antwort erarbeitet werden, da das Vorgehen unterneh-mensabhängig ist. Den Teilnehmern konnten aber nützliche Tipps gegeben werden.
Auch Rechtsfragen wurden während der Veranstaltung häufig gestellt. So wollten einige Teilnehmer wissen, bis zu welchem Zeitpunkt der Auftragnehmer (Auftraggeber) die Mangelfreiheit (Mängel) nachweisen muss. Hier ist eindeutig der Zeitpunkt der Abnahme als Wendepunkt zu nennen. Bis zur Erklärung der Abnahme durch den Auftraggeber hat der Auftragnehmer Mangelfreiheit in der Software nachzuweisen. Danach muss der Mangel durch den Auftraggeber nachgewiesen werden. Auch Fragen zu den Gewährleistungsrechten wurden erörtert.
Ebenso wurden Fragen der Kommunikation zwischen den Auftraggeber und dem Auf-tragnehmer diskutiert. Gefragt wurde beispielsweise nach dem Vorgehen bei unentschlossenen und sprunghaften Auftraggebern oder eher allgemeine Lösungen bei Kommunikationsstörungen. Gerade im letzten Punkt sind vielfach die Ursachen für das Scheitern zu sehen. Die Einbeziehung Dritter kann in diesem Falle eine Lösung zu Rettung solcher Projekte sein, da sie durch ihre neutrale Position Projekte aus der Beziehungsebene wieder auf die Sachebene zurückbringen können. Kommunikation zwischen den Projektbeteiligten sollte deshalb nicht vernachlässigt werden.
Mittels eines Fragebogens wurde die Veranstaltung evaluiert. Dabei wurden den Re-ferenten Verständlichkeit bei der Vermittlung der Themen sowie ein praktischer Nut-zen der Vorträge und der Diskussion attestiert.
Für zukünftige Veranstaltungen des „Berlin-Brandenburger Software-Forums“ werden von Seiten der Teilnehmer Testmanagement, Testen und zuverlässige Systeme als die am meist genannten neue Themen vorgeschlagen. Während der Diskussionsrunde wurden auch Konfigurationsmanagement, Changemanagement und Anforde-rungsanalyse als neue Themen gewünscht.
Als Gesamtbild kann der Veranstaltungsabend als erfolgreich gewertet werden, wobei die Länge der Vorträge zugunsten der Praxisdiskussion reduziert werden sollte.
Die Unterlagen zur Veranstaltung können auf den Infoseiten des Forums heruntergeladen werden.