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 | |  |  | | Beschreibung |  | Die Sichtweise der Messtheorie versucht, die menschliche Intuition über die Welt zu formalisieren. Menschen neigen dazu, Dinge durch Vergleiche zu verstehen. Das Konzept der Größe eines Gegenstandes wird durch visuellen Vergleich verschiedener „Exemplare“ erlernt. Die Beziehung „größer als“ ist in diesem Sinne eine empirische Relation über dem Merkmal „Größe“. Welche Paare von Gegenständen in Relation stehen, wird durch einen allgemeinen Konsens bestimmt. Jedoch gibt es häufig untereinander abweichende Meinungen. Ein Konsens über eine empirische Relation zumindest im Kontext einer konkreten Anwendung ist notwendige Voraussetzung für jegliche Formalisierung. Durch ein Maß wird dieser Konsens explizit gemacht. Bestimmten Merkmalsausprägungen werden konkrete Messwerte zugeordnet. Dabei gelten die gleichen Relationen unter den Messwerten wie unter den empirisch bestimmten Merkmalsausprägungen.
Unter dem Begriff Relationensystem werden nun alle solche Beziehungen zwischen Merkmalen oder Messwerten zusammengefasst. Die Begriffsbildung ist der Versuch, die Vielfältigkeit von verschiedenen Messproblemen zu klassifizieren. Verschiedene Klassen von Relationensystemen werden unterschieden und führten zur Definition von Skalentypen. Es gibt verschiedenste Arten von Relationen, die Teil eines Relationensystems sein können, beispielsweise:
- Partielle Ordnungen legen fest, wie Objekte in einer Reihenfolge angeordnet werden müssen. Nicht notwendigerweise alle Objekte können miteinander verglichen werden, aber für ausgewählte Paare legt das Relationensystem deren Reihenfolge fest.
- Äquivalenzrelationen erlauben die Gleichheit zweier Entitäten bezüglich einer Merkmalsausprägung festzustellen.
- Relation zur Identifizierung spezieller Objekte, zum Beispiel von „Nullelementen“. Bei der Messung der Kopplung in einm objektorientierten System besitzen zwei nicht miteinander vernetzte Klassen die Kopplung „Null“.
Die Unterscheidung in empirische und formale Relationensysteme geht auf die jeweilige Art und Weise der Definition der Relationen zurück. In einem empirischen Relationensystem sind die Beziehungen durch einen allgemeinen Meinungskonsens zwischen Menschen bestimmt. In einem formalen Relationensystem sind Relationen hingegen durch konkrete Eigenschaften der verwendeten Symbolik festgelegt (beispielsweise Relation „>“ zwischen natürlichen Zahlen).
Die Vorstellung von zwischen den untersuchten Objekten herrschenden Relationen wird auch zur Definition des zentralen Begriffes Maß verwendet. An Maße werden bestimmte Forderungen gestellt, wobei die zentralste Forderung sicherlich die Repräsentationsbedingung ist.
Ein besonderes Problem der Anwendung von Messmethoden auf Software ist, dass die herrschenden empirischen Relationen oft nicht klar sind. Im Alltag führt die fast tägliche und unbewusste Anwendung von Messungen zu einem sehr hohen Grad an Vertrautheit mit den charakterisierten Eigenschaften. Die Bedeutung der „Länge einer Wegstrecke“ ist unmittelbar klar. Dies ist nicht so beispielsweise beim Vergleich der Komplexität von Programmen. Allein der Begriff „Komplexität“ kann, wie die Literatur belegt, sehr verschieden interpretiert werden. Jedoch auch die konkrete Beurteilung, ob ein Programm hinsichtlich nur einer solchen Interpretation komplexer als ein anderes sei, ist stark vom jeweiligen Betrachter abhängig. Es ist in vielen Fällen daher schwer, Maße anzugeben, welche von allen Software-Ingenieuren als eine geeignete Charakterisierung eines Merkmals angesehen werden.
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